Der Einfluss des autonomen Nervensystems auf unsere Gesundheit, Teil 1
- Petra

- 10. Mai
- 3 Min. Lesezeit
In meiner Arbeit beziehe ich den Körper und damit auch das autonome Nervensystem mit ein. Ich habe in meinem eigenen therapeutischen Prozess aber auch im Rahmen meiner Weiterbildungen erfahren, wie hochintelligent unser Körper ist und vor allem auch, wie sich das Zusammenspiel von Körper, Psyche und Nervensystem positiv wie negativ auf unsere Gesundheit auswirken kann. Unser Körper ist ein äußerst komplexes System, das aus unzähligen Bestandteilen und Abläufen besteht. Viele Mechanismen und Prozesse laufen unbewusst ab. Das gilt insbesondere für das vegetative Nervensystem, was z.B. unsere Atmung, unseren Herzschlag oder die Verdauung steuert. Das vegetative Nervensystem wird deshalb auch autonomes Nervensystem genannt, was aus drei Teilen besteht:
Der Sympathikus, der für Aktivierung, Leistungsbereitschaft und Stressreaktionen zuständig ist, der Parasympathikus, der als Gegenspieler des Sympathikus gilt und für Regeneration und Aufbauprozesse verantwortlich ist sowie das enterische Nervensystem, was als „Bauchhirn“ bezeichnet wird und die Verdauung weitestgehend unabhängig steuert. Der Sympathikus wird vor allem dann aktiv, wenn der Körper Energie bereitstellen muss – beispielsweise in Stresssituationen oder bei körperlicher Anstrengung. Er ist für Fight or Flight (Kampf oder Flucht) zuständig, also unseren inneren Trieb, auf Gefahrensituationen zu reagieren.
Der Parasympathikus ist vor allem in Zeiten von Ruhe, Sicherheit und Entspannung präsent. Besonders wichtig ist hier der Vagusnerv, der viele innere Organe direkt versorgt. Der Vagusnerv macht rund 75% des parasympathischen Systems aus und zieht sich vom Gehirn durch den gesamten Oberkörper bis in den Magen-Darm-Trakt.
Sympathikus und Parasympathikus sind anatomisch klar getrennte Nervensysteme, arbeiten jedoch funktionell zusammen. Sie sind fast immer gleichzeitig aktiv – entscheidend ist, welches System gerade überwiegt. In stressigen Situationen ist der Sympathikus an der Reihe: Er sorgt dafür, dass wir schnell handeln können und fährt dafür andere Vorgänge im Körper auf Sparflamme. Wenn der Stress im Außen nachlässt, nimmt der Parasympathikus die Zügel in die Hand: Unser Atem wird ruhiger, wir entspannen uns und können uns regenerieren. Beide Systeme sind gleichermaßen für unser Überleben notwendig. Wenn Sympathikus und Parasympathikus im Gleichgewicht sind, sprich das Nervensystem reguliert ist, sorgen die beiden Teile für eine innere Balance und eine gesunde Mischung aus Aktivierung und Energiebereitstellung sowie die danach notwendigen Ruhe und Erholungsphasen.
Ich möchte euch hier ein kleines Beispiel geben, was passieren kann, wenn das Nervensystem dysreguliert ist:
Wenn das autonome Nervensystem aus der Balance gerät, etwa in sehr stressigen oder herausfordernden Zeiten, kann es sein, dass der Sympathikus das Steuerrad nicht mehr an den Parasympathikus abgibt. Das hat zur Folge, dass wir abends zwar müde und erschöpft sind, gleichzeitig uns aber immer noch im sympathischen Zustand (Kampf- oder Fluchtmodus) befinden, was sich z.B. durch innere Anspannung, Unruhe, Ängste, Gedankenkreisen o.ä. zeigen kann. In unserer heute sehr schnelllebigen Zeit, in der es normal scheint, neben einem Vollzeitjob, auch noch zum Sport zu gehen, sich mit Freunden zu treffen, vielleicht noch eine Familie zu haben und sich am besten parallel dazu noch ehrenamtlich oder sozial zu engagieren, ist es nicht verwunderlich, dass der Stresspegel so hoch ist, dass der Parasympathikus nicht mehr zum Zug kommt. Dadurch leiden viele Menschen unter Schlafproblemen. Abends lange wach liegen und nicht einschlafen können oder aber einschlafen und dann nachts aufwachen und nicht wieder einschlafen können sind nur zwei mögliche Szenarien. Für einen guten, erholsamen Schlaf ist es essentiell, dass unser Nervensystem reguliert ist, sprich also Sympathikus und Parasympathikus im Gleichgewicht sind. Und genau da setzt wiederum meine Arbeit an. Wenn Menschen zu mir ins Coaching kommen und Themen wie Schlafprobleme mitbringen, bedeutet das für mich, mit ihnen gemeinsam zu forschen. Was sind ihre Stresspunkte? Was haben sie vielleicht schon unternommen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen? Wie kann ich sie dabei unterstützen, ihr Nervensystem wieder in die Balance zu bekommen?
Die hier aufgeführte Darstellung ist nur ein kurzer, vereinfachter Abriss unseres autonomen Nervensystems. Wer noch tiefer in die Welt des autonomen Nervensystems eintauchen möchte, darf sich auf den 2. Teil freuen. Hier gehe ich vor allem auf das Zusammenspiel von Nervensystem, Verhalten und Emotionen ein.





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