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Der Einfluss des autonomen Nervensystems auf unsere Gesundheit, Teil 2

  • Autorenbild: Petra
    Petra
  • 10. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

In Teil 1 habe ich euch schon einen kleinen Überblick über die Funktionsweise unseres autonomen Nervensystems gegeben. Was hat das aber jetzt konkret mit unserer Psyche, unseren Emotionen und unserem Verhalten zu tun? Stephen Porges hat sich intensiv mit dem autonomen Nervensystem beschäftigt und in einem langen Forschungsprozess die Polyvagaltheorie entwickelt. Die Polyvagaltheorie geht über den Unterschied zwischen Sympathikus (Stress) und Parasympathikus (Entspannung) hinaus und unterteilt das autonome Nervensystem (ANS) in drei hierarchisch organisierte Systeme. Diese drei Systeme bestimmen, wie du dich fühlst, wie du mit anderen interagierst, wie dein Körper auf Stress reagiert und du dich selbst beruhigen kannst – oder eben auch nicht.


Kennst du die Situation, dass du einen Vortrag halten musst und sich dein Herschlag vor Aufregung beschleunigt, deine Atmung flacher wird und deine Hände feucht werden? Dann ist dein Sympathikus aktiv, der dich auf dein Handeln vorbereitet und dafür Energie mobilisiert, indem er Adrenalin ausschüttet. Der Sympathikus ist also dein Kampf-oder-Flucht-System und signalisiert in Gefahrensituationen Angriff oder Weglaufen.


Der Parasympathikus hat den Vagusnerv als Hauptnerv. Dieser besteht aus zwei Ästen: der dorsale, hintere Vagus-Ast und der vordere, ventrale Vagus-Ast.

Erinnerst du dich an ein Ereignis, nachdem du dich wie gelähmt gefühlt hast? Dein Körper reagiert mit Einfrieren, Erstarren und kippt in eine Art Kollaps – genau in solch einer Situation ist der dorsale, hintere Vagus-Ast aktiv. Er wirkt wie ein Schutzmechanismus, der dich und deine Reaktionen abschaltet, wenn dein Gehirn Ereignisse oder Emotionen nicht mehr verarbeiten kann (z.B. eine Reaktion auf eine traumatische Situation). Dieser Teil des Vagusnervs wird aktiviert, wenn weder Kampf noch Flucht möglich ist. Die Folge ist ein Gefühl des Einfrierens – dein Körper fährt alle körperlichen Aktivitäten zurück und stellt sich wie tot – und genauso fühlst du dich auch, wenn du dich im Kollaps befindest.


Im Gegensatz dazu gibt es noch den vorderen, ventralen Vagus-Ast. Wenn du mit deinen Freunden einen gemütlichen Abend verbringst und dich rundum wohl, sicher, entspannt und verbunden fühlst, ist dieser Vagus-Ast aktiv. In diesem Zustand wirst du auch an deinem Körper merken, wie entspannt dieser ist. Du spürst, wie du ruhig und tief atmest, voller Energie und Lebendigkeit bist und eine entspannte Mimik hast.


Wenn du dich selbst besser kennenlernst und dich mit deinen Themen und deiner eigenen Biographie auseinandersetzt, wirst du lernen, diese Zustände besser wahrzunehmen und einzuordnen. Das ist die Basis, dich aus bedrohlichen Zuständen in einen verbundenen, sicheren Zustand zurückzuführen.


Wenn wir uns mit dem autonomen Nervensystem beschäftigen, ist es wichtig, das „Bauchhirn“ mit einzubeziehen. Darm und Gehirn stammen aus demselben Gewebe und kommunizieren über dieselben Botenstoffe. Diese Verbindung erklärt, warum wir von „Bauchgefühlen“ oder „Entscheidungen aus dem Bauch heraus“ sprechen. Bemerkenswert ist, dass 85 Prozent der Informationen vom Darm zum Gehirn fließen und nicht umgekehrt. Diese Kommunikation verläuft größtenteils unbewusst über den Vagus-Nerv als Hauptleitung zwischen den beiden Schaltzentralen. Der Darm fungiert als Zentrum des Immunsystems, so dass dieser einen großen Einfluss auf die Verbindung zwischen Kopf- und Bauchgehirn hat. Dadurch hat der Darm einen Einfluss auf unsere Emotionen und Stimmungen. Hieran wird deutlich, dass körperliche und emotionale Prozesse untrennbar miteinander verbunden sind. Traumatische Erfahrungen werden im Körper gespeichert und können nur über körperliche Prozesse aufgelöst werden. So entstehen auch Körpermuster: Der Körper zeigt durch Haltung, Bewegung und Mimik den autonomen Zustand eines Menschen. Die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche verläuft in beide Richtungen. Positive Gedanken beeinflussen den Körper, aber auch der Körper kann die Psyche beeinflussen. Therapeutische Interventionen können daher sowohl auf der kognitiven als auch auf der körperlichen Ebene ansetzen.


Jetzt fragst du dich sicher nach all der Theorie, wie du denn jetzt aktiv auf dein Nervensystem Einfluss nehmen kannst. Das Vagus-System kann durch verschiedene Interventionen beeinflusst werden, beispielsweise durch Embodiment-Übungen. Körperliche Regulation stellt die Grundlage für emotionale Stabilität und vor allem auch für wichtige Verarbeitungsprozesse dar. Ein mögliches Tool, um das Nervensystem in einen regulierten Zustand zurückzuführen, ist das Shaking (Schütteln), dem ich einen extra Blogbeitrag gewidmet habe. Es geht letztendlich immer darum, den Körper aus Erstarrungs-, Kampf-oder Fluchtzuständen wieder in einen entspannten und vor allem handlungsfähigen Zustand zu versetzen. Ein sicherer, regulierter Zustand kann dann durch konsequentes Umsetzen von Vagusstimulationstechniken mit der Zeit erreicht werden.


In meiner Arbeit lege ich Wert auf den Einsatz von verschiedenen Tools, die dich erstmal dort abholen, wo du mit deinen Themen und deinem Nervensystem stehst. Wenn du dich auf den Weg begeben möchtest, dich langfristig und nachhaltig wohl und sicher zu fühlen und bereit bist, aktiv mit zu arbeiten, bin ich als Weg- und Prozessbegleiterin gerne für dich da.

 

 

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