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Shaking als älteste Medizin der Welt

  • Autorenbild: Petra
    Petra
  • 10. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Du fragst dich, wie ich denn jetzt wirklich arbeite, um tiefergehende Prozesse anzustoßen und zu begleiten? Ich habe natürlich auch nicht nur das eine Tool, mit dem ich ausschließlich arbeite, es ist vielmehr eine Sammlung von Tools, die ich je nach Themen meiner Klienten und Klientinnen auswähle und einsetze. Ich möchte dir hier dennoch eines der kraftvollen, körperorientierten Tools vorstellen, die ich häufig nutze:

Das Shaking (Schütteln).

 

Du hast bestimmt schon häufig gesehen, dass sich Tiere schütteln. Vor allem bei Hunden können wir dieses Verhalten beobachten. Gerade wenn sie eine stressige Situation erlebt haben oder auch nach einer Spielsequenz mit einem Sozialpartner, schütteln sich Hunde. Warum tun sie das? Durch das Schütteln regulieren sie ihr Nervensystem, bauen Spannungen ab und beruhigen sich. Gleichzeitig wird durch das Schütteln wie so eine Art Reset-Knopf gedrückt, um wieder in eine körperliche Entspannung zu kommen.

Und genau das, was wir im Tierreich beobachten können, können wir uns selbst für unsere eigenen Prozesse zu Nutze machen.

 

Unser Leben, das sehr geprägt ist von leisten, funktionieren und denken, findet vermehrt im Außen statt. Wenn wir innere Themen in der Tiefe verändern wollen, müssen wir zurück in unseren Körper kommen. Dorthin, wo all unsere Erinnerungen, unsere Verletzungen, unsere Erfahrungen und auch Emotionen gespeichert sind, dürfen wir unsere Aufmerksamkeit lenken.

 

Beim Shaking beginnst Du, Dich rhythmisch zu schütteln – ohne Vorgaben von außen, wie du zu sein oder wie du dich zu bewegen hast, sondern einfach so, wie du dich fühlst. Erstmal kann das sehr herausfordernd sein, sind wir doch oft danach bestrebt, bei Bewegungen gut auszusehen. Beim Shaking geht es nicht darum, bestimmte Bewegungsabläufe auszuführen, sondern dich von deinem Körper und seinen Bewegungsimpulsen leiten zu lassen.

 

Dabei passiert einiges in deinem Körper und gleichzeitig auch in deinem Nervensystem:

 

-            Deine Faszien und Muskeln lassen Spannung los,

-            Dein Zellstoffwechsel wird angeregt,

-            Dein Nervensystem bekommt das Signal: Ich bin sicher – ich darf mich bewegen.

-            Und gespeicherte, oft unbewusste emotionale Ladung beginnt, sich zu lösen –ganz ohne Worte.

-            Emotional entsteht eine neue Beziehung zu Dir selbst: Du spürst, wie Dein Körper atmet, wie Energie fließt, wie Lebendigkeit zurückkehrt.

 

 Aus wissenschaftlicher Sicht sind drei Aspekte dabei entscheidend:  Gefühle entstehen nicht im Kopf, sondern im Körper. Sie sind neurobiologisch messbare Zustände, beeinflusst von Herzfrequenz, Atmung, Muskeltonus, Hormonen und dem autonomen Nervensystem. Emotionen entstehen häufig dadurch, dass unsere Gedanken, die wir zu bestimmten Themen haben, zu Bewertungen führen.

 

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: „Mein Fuß tut mir weh.“ Ich denke daraufhin: „Oh Gott, ich habe schon wieder Schmerzen. Die Schmerzen führen jetzt bestimmt dazu, dass ich länger beim Sport ausfalle, was ganz schrecklich wäre.“ (Gedanken – Bewertung). Daraus folgen Gefühle wie z.B. Angst, Wut, Trauer, …

 

Emotionen verändern sich über Bewegung wesentlich schneller als über unsere Sprache, gleichzeitig hängen natürlich unsere Emotionen mit unserem Verhalten zusammen. Dementsprechend kannst du über das Schütteln zum einen deine Gefühle zu bestimmten Themen verändern, gleichzeitig dringst du in tiefere Schichten deines Systems vor.

 

Shaking aktiviert den Vagusnerv. Die Funktion des Vagusnervs hatte ich bereits im vorigen Blogeintrag erklärt und du weißt bereits, dass er entscheidend ist für dein Gefühl von Sicherheit, Entspannung, Regulation und Mitgefühl. Organisch verbindet er unser Gehirn mit unserem Herz, unserem Zwerchfell und unserem Bauch und spricht auf Stimme und Mimik an. Der Vagusnerv steuert, ob du dich sicher oder bedroht fühlst. Stephen Porges, der Begründer der Polyvagal-Theorie, hat herausgefunden, dass rhythmische Bewegungen wie beispielsweise das Schütteln für die Regulation des Vagusnervs entscheidend sind.

 

Traumaforscher wie Peter Levine (Begründer von Somatic Experiencing) beschreibt, dass unverarbeitete Gefühle im Körper gespeichert und teilweise sogar sichtbar sind, z.B. durch einen angespannten Muskeltonus, ein schlecht durchblutetes Bindegewebe oder eine starre Mimik, um nur einige Beispiele zu nennen. Das Schütteln erlaubt dem Körper, tief verborgene Verletzungen wieder an die Oberfläche zu holen, aufgestaute Emotionen und Energien abzuschütteln, um wieder in einen regulierten Zustand zu kommen.

 

Durch das Schütteln, wirst du dich freier, leichter und vor allem lebendiger fühlen. Gleichzeitig bekommst du wieder echten Zugang zu dir selbst, deinen Emotionen und deinem Körper und wirst schneller ein Gefühl dafür bekommen, wie es dir wirklich geht und welche Bedürfnisse du eigentlich hast. Du wirst mit der Zeit merken, dass du insgesamt präsenter, energetischer und gleichzeitig entspannter bist. Natürlich wirkt sich bei jedem Menschen Schütteln ganz anders aus – je nach Themen, Lebenssituation und Vorgeschichte. Du darfst neugierig sein, wie sich dein Leben mit der Zeit verändern wird – es lohnt sich auf jeden Fall, es auszuprobieren!

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