Das Geschenk der Selbstliebe
- Petra

- 17. März
- 3 Min. Lesezeit
Meine Therapeutin, die mich lange auf meinem persönlichen Heilungs- und Entwicklungsweg begleitet hat, hat mir immer wieder gesagt: „du kannst voller Frieden, erfüllt und verbunden mit dir und dem Leben sein, auch wenn die äußeren Umstände nicht so sind, wie du sie gerne hättest, wenn du dich wirklich in der Tiefe für dich interessierst.“
Lange habe ich mit dieser Aussage gehadert, war ich doch immer wieder im Kampf gegen mich, das Leben oder die äußeren Umstände gefangen, obwohl ich dachte, ich wäre in der Auseinandersetzung mit mir und meinen Themen schon sehr weit. Äußere Umstände, mit denen ich persönlich schon immer und immer noch im Widerstand bin, sind körperliche Einschränkungen. Das können eine Grippe, aber auch wie momentan eine Sehnenentzündung an beiden Füßen sein. Unabhängig von der Krankheit bedeutet das für mich: ich bin so eingeschränkt, dass ich mich nicht so bewegen kann, wie ich das möchte und das heißt in meinem Fall, viel und gerne. Ich liebe lange Spaziergänge mit unserem Hund Rudi in der Natur, ich mache gerne Sport, fahre gerne Fahrrad – es gibt wenig Aktivitäten, die ich nicht gerne mache – Hauptsache draußen. Und wenn das nicht funktioniert, warum auch immer, stürzt mich das in eine tiefe Krise. Ich empfinde dann Wut auf die Situation und auf meinen Körper, der nicht so funktioniert, wie ich mir das wünsche. Ich gerate dann häufig in eine Abwärtsspirale aus Ohnmacht, Hilflosigkeit, Verzweiflung und Traurigkeit.
Die Folge ist, dass ich leide und zwar so richtig, inklusive meinem Umfeld, was durch meine schlechte Laune mit betroffen ist. So sehr sich mein Freund dann in diesen Phasen auch um mich bemüht - weder Trösten noch Verständnis noch irgendwelche gut gemeinten Erklärungen oder Ratschläge helfen – im Gegenteil, oft gehe ich dann noch mehr in den Widerstand. Egal wie sehr ich auch versuche, die Situation anzunehmen und mir zu sagen „auch das geht vorbei“, das Leiden bleibt und zwar normalerweise so lange, bis ich wieder gesund und fit bin. Kein schöner Zustand.
In dieser Zeit werde ich von negativen Gedankenspiralen aufgefressen und immer wieder in heftige, dunkle Löcher aus Selbstzweifeln gestürzt. Und das vor allem ausgelöst durch meine Gedanken, wie „das wird eh nicht wieder gut“, „warum schon wieder ich?“, „das Leben ist gegen mich“, um nur ein paar davon zu nennen. Diese Gedanken versetzen mein Nervensystem dann in Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit, sie führen mich in einen dysregulierten Zustand. 6 Wochen habe ich damit verbracht, jeden Tag aufs Neue, immer wieder bin ich in das gleiche Loch gefallen und musste mich mühsam wieder herausziehen, immer mit dem Satz meiner Therapeutin im Hinterkopf und noch mehr Fragezeichen, wie ich denn jemals zu dieser Freiheit gelangen soll.
Ich bin ein Mensch mit viel Durchhaltevermögen und dem tiefen inneren Wunsch, meine alten Verletzungen so zu heilen, dass ich wirklich im Frieden und in Liebe mit mir bin, so dass ich auf meinem persönlichen Heilungsweg immer noch weitergehen möchte. In den letzten Tagen habe ich mir bewusst viel Zeit und Raum für mich genommen, um zu dem Thema zu forschen und habe ein erstes Gefühl davon bekommen, welche alten Muster mich immer wieder in große innere Nöte und vor allem aus und gegen meinen Körper bringen. Und heute?
Heute habe ich mir erlaubt, mich in die Situation hinein zu entspannen. Mir erlaubt, mich sein zu lassen, mit all dem, was ich gerade empfinde und was gerade da ist. Den Widerstand aufgegeben. Dadurch wurde möglich, was ich nicht für möglich gehalten habe. Ich habe inneren Frieden gespürt, war erfüllt und verbunden mit mir, obwohl sich an den äußeren Umständen nichts verändert hat. Ich bin durch die Sehnenentzündung noch genauso eingeschränkt wie schon die letzten 6 Wochen, aber in mir drin hat sich etwas verändert.
Ich bin mit unserem Hund Rudi hoch in den Wald gefahren und habe dort einen Mini-Spaziergang gemacht. Habe den Waldboden unter meinen Füßen gespürt, die frische Sommerluft eingeatmet und die vielen verschiedenen Grüntöne der Bäume bewundert, den Vögeln und vor allem meinem Inneren gelauscht. Mir erlaubt, Pause auf einer Bank zu machen und einfach nur zu spüren. Zu spüren, was möglich ist, wenn ich mich für mich selbst in der Tiefe interessiere und mich nicht daran aufhänge, was im Außen ist und ob ich gerade körperlich fit bin oder nicht.
Ich weiß, dass ich vermutlich noch viele Ehrenrunden drehen werde, bis ich neue Krankheiten, die mich „ausbremsen“ als Geschenk und nicht als Strafe sehen werde.
Und dennoch ist es ein Geschenk, immer neu zu entdecken und zu spüren, wie heilsam es ist, wenn ich auf meiner Seite bin, anstatt gegen mich zu gehen, wie viel Frieden entstehen kann, wenn Mitgefühl und Selbstliebe anstelle von Widerstand und Selbstablehnung treten.





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