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Was wir von den Pflanzen der Salzwiesen lernen können

  • Autorenbild: Petra
    Petra
  • 10. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Wir sind gerade in Norddeutschland mit unserem Camper unterwegs und waren heute mit unserem Hund Rudi auf dem Trischendamm spazieren, der weit ins Wattmeer rein führt. Wir staunen über die ganz unterschiedlichen Naturschauspiele, die wir rechts und links vom Damm beobachten können: auf der einen Seite Salzwiesen, auf der anderen Seite das Watt. Sowohl die Salzwiesen als auch das Watt bieten unzähligen Vogel- und Pflanzenarten das ganze Jahr über Lebens- und Schutzraum. Da das Wattmeer zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, informieren verschiedenste Übersichtstafeln über die örtliche Flora und Fauna. Eine dieser Tafeln hat mich zum Nachdenken gebracht:


Ganz schön salzig!


„Zu viel Salz ist ungesund , daher haben die Pflanzen der Salzwiese verschiedene Mechanismen entwickelt, um mit dem Überangebot zurechtzukommen. Der Queller speichert das überschüssige Salz in den Zellen. Um die Salzkonzentration zu verdünnen, muss er Wasser aufnehmen und quillt auf. Die Strandaster transportiert das überschüssige Salz in alte Blätter, die abgestoßen werden. Die dichte Behaarung des Strandwermuts dient ebenso wie die längs eingerollten Blätter der Gräser dem Verdunstungsschutz. Die Portulak-Keilmelde speichert das Salz in Blasenhaaren auf den Blättern, die abgestoßen werden. Das Andel-Gras verhindert das Eindringen von Salz bei der Wasseraufnahme, daher schmeckt es auch süß.“


All diese Pflanzen wachsen und gedeihen trotz der für sie teilweise unpassenden Lebensbedingungen in den Salzwiesen und haben für sich einen Weg gefunden, mit den für sie widrigen Bedingungen (zu viel Salz) umzugehen. Die Natur findet erstaunlicherweise immer kreative Wege, sich innerhalb ihres Lebensraums anzupassen – wie lässt sich das vielleicht auf unser eigenes Leben übertragen?


Wie oft leben wir gerade entweder an einem Ort, in einer Beziehung oder arbeiten in einem Job, der uns nicht entspricht. Daraus entsteht häufig der Impuls, dass wir etwas Grundlegendes an uns oder in unserem Leben verändern müssen, um wirklich glücklich zu sein. Dieses große Ganze zu verändern, vielleicht alles auf den Kopf zu stellen, um für uns das perfekte Lebensglück zu schaffen, bringt vielleicht neue Herausforderungen mit sich, die es wiederum zu bewältigen gibt. Anstatt gleich in einen großen, äußeren Veränderungsprozess einzusteigen, reicht vielleicht oftmals eine kleine Welle, ein kurzer Impuls oder eine neue Haltung zu den äußeren Umständen. Veränderung im außen ist das eine, Veränderung im inneren kann jedoch oftmals viel kraftvoller sein und dich in eine andere Energie bringen. Letztendlich braucht es auch hier kreative Wege, um innerhalb deiner Lebensumstände eine etwas andere Ausrichtung, einen neuen Fokus oder eine noch nie eingenommene Perspektive zu wählen. Oftmals reichen etwas andere Wege aus, damit du ein anderes, positiveres Gefühl für dich und deine Lebensumstände empfindest.


Ich ziehe aus der Informationstafel noch eine andere Botschaft für mich raus: jede Pflanze hat das gleiche Problem, nämlich zu viel Salzaufnahme. Jede Pflanze hat für sich einen individuellen Umgang für das Problem gefunden. Und genau so lässt sich das auf uns Menschen übertragen. Viele Menschen kämpfen vielleicht mit dem Problem, dass sie unzufrieden mit ihrer beruflichen Situation sind. Ausgehend von dem gleichen Problem gibt es wiederum für jeden seine ganz eigene, individuelle Lösung: von der Kündigung über einen Positionswechsel innerhalb des Unternehmens über die Reduzierung der Arbeitszeit oder der kompletten, beruflichen Neuorientierung – alles Mögliche Lösungen für dasselbe Problem. Und dabei das Wichtigste: es gibt nicht die eine Lösung. Die Lösung ist für den Einzelnen genauso einzigartig wie der Mensch selbst. Wir sollten immer darauf vertrauen und uns gut zuhören, was wir für uns als „unseren“ Weg ansehen, unabhängig davon, was gesellschaftlich oder kulturell vorgegeben oder uns als gut gemeinte Ratschläge präsentiert wird.


Und wenn du gerade beim Lesen Widerstand verspürst oder Gedanken kommen wie „aber so einfach ist das doch gar nicht…“, dann fühl dich eingeladen, ganz achtsam in dich hin einzuspuren, was in dir diesen Widerstand auslöst.

Vielleicht können dir folgende Fragen dabei helfen, dich mit solch einer Situation in deinem Leben zu beschäftigen:


„Was genau möchte ich in meinem Leben anders haben?“

„Was löst der Gedanke an die Situation oder das Thema für Gefühle in mir aus?“

„Was möchte ich gerne stattdessen haben?“

„Wenn ich so tun würde, als ob sich mein Leben nach meinen Wünschen schon verändert hätte, was wäre dann anders und wie würde es sich anfühlen?“

„Was könnte ich für neue Wege ausprobieren, um vielleicht eine kleine Veränderung zu bewirken?“


Ein kleiner Moment für dich, vielleicht ein Schreibbuch, ein schöner Ort und die Möglichkeit, dich mit diesen Fragen zu beschäftigen – oder, wenn du jemand bist, der solche Fragen gerne im Austausch bespricht, such dir doch einen Gesprächspartner, dem du vertraust und bei dem dich mit deinem Gedankenexperiment wohlfühlst.

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