Über den Schmerz, wenn das Leben auf einmal still steht
- Petra

- 17. März
- 3 Min. Lesezeit
Long Covid – eine Krankheit, die sich nach einer Coronainfektion in unterschiedlichsten Facetten zeigen kann und die nach wie vor nicht anerkannt und zu wenig erforscht wird. Ich war betroffen. Und mit mir natürlich mein direktes Umfeld – mein Partner, meine Familie, meine Tiere. Wenn das Leben auf einmal stillsteht, weil der Körper streikt, löst das einen tiefen, inneren Schmerz aus. Ich konnte meinen Job nicht mehr ausüben, ein Abend mit Freunden war nicht mehr möglich, ich konnte weder meinen Hund noch mein Pferd versorgen, mein Alltag war auf einmal weg, kein Einkaufen, kein Autofahren, nichts mehr, Stillstand, gefangen im Körper, der keinerlei Energien mehr hat, der auf kleinste Aktivitäten mit Fatigue und Crashs reagiert. Stillstand heißt, Tag für Tag die Wohnzimmerdecke anzuschauen oder aus dem Fenster des Wohnzimmers zu blicken, immer das gleiche Bild, eine weiße Decke oder die gleiche grüne Hecke, die unseren Gartenanteil vom Gartenanteil unseres Nachbarn trennt. Immer die gleiche Perspektive, der gleiche Blick von der Couch aus, auf der ich die meiste Zeit des Tages lag, mit Ausnahme, wenn wir kurz am Tisch saßen, um zu essen oder mein Freund mich zu meinem Pferd gefahren hat, wo ich dann im besten Fall saß, um ihn zu streicheln oder im schlechtesten Fall neben ihm lag, um zumindest da zu sein, um zumindest an einem anderen Ort zu sein, außerhalb des Wohnzimmers. Was bedeutet das? Unendliche Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht und die Frage nach dem Warum. Warum hat es mich mit Long Covid so erwischt, so dass ich 1,5 Jahre außer Gefecht war? Die Frage nach dem Warum brachte mich natürlich nicht weiter und dennoch stellte sie sich immer wieder, wenn ich meinem Freund, meinen Freunden, meiner Familie dabei zu sah, wie ihr Leben weiterging, während meines still stand. Aus dem Leben gerissen, dass ich vorher hatte, ein aktives, buntes Leben mit meinem Pferd, meinem Hund, meinem Freund, draußen in der Natur, beim Sport, mit Freunden oder bei der Arbeit. Dieses Eingeschränkt sein wirft mich auch noch heute, gut 1,5 Jahre nachdem ich von Long Covid wieder gesund geworden bin, häufig in diese Zeit zurück. Ich falle dann an manchen Tagen in ein schwarzes Loch und dann ist das Trauma, was in der Zeit der Erkrankung entstanden ist, so groß, so übermächtig, dass ich nicht aus meiner inneren Hölle herauskomme. Inzwischen ist mir bewusst, wie viel Trauma in der Zeit der Erkrankung entstanden ist und kann an solchen Tagen meistens über die Körperarbeit und die Nervensystemregulation liebevoll mit mir umgehen und mich selbst in den Arm nehmen. Durch das Trauma entsteht häufig eine große Einsamkeit und das Gefühl, abgetrennt vom Rest der Welt zu sein. Hier braucht es dann (m)eine liebevolle Beziehung und viel Achtsamkeit im Umgang mit dem seelischen Schmerz und oft tut es gut, eine Begleitung an der Seite zu haben, die den Raum gibt und hält, den Schmerz auszudrücken und alle Gefühle da sein zu lassen, die gespürt werden möchten. In der Zeit meiner Erkrankung bin ich in Kontakt mit Embodiment gekommen. Der Coronavirus hat sich bei mir im autonomen Nervensystem festgesetzt und dafür gesorgt, dass ich in die Abwärtsspirale aus Belastungsintoleranz, Crashs, Symptome wie Schwindel, Nervenzittern und schließlich die Fatigue gerutscht bin, so dass ich mich irgendwann nur noch meinem Körper ausgeliefert gefühlt habe. Durch die Begleitung von Dr. Mareike Schwed, die sich auf neurologische Erkrankungen spezialisiert hat, kam ich in Kontakt mit Nervensystemregulation, Körperarbeit, der Kraft des Vagusnervs und Shaking – alles Tools, die unter dem Begriff des Embodiment bekannt sind. Und genau das war für meinen persönlichen Heilungsweg der Schlüssel: Neben einem guten Belastungsmanagement, was auch als Pacing bekannt ist, integrierte ich leichte Übungen für den Vagusnerv in meinen Alltag und konnte mit der Zeit langsam die Intensität der Embodiment Tools steigern. Natürlich verlief meine Gesundung nicht linear, sondern mit Höhen und Tiefen, Vorwärts- und Rückschritten, aber durch die neurologische Begleitung und meiner eigenen intensiven Auseinandersetzung mit dem körperbasierten Ansatz und täglicher Praxis von Embodiment fand ich schließlich den Rückweg ins Leben und in meinem Körper. So habe ich mich auch nach meiner Erkrankung viel mit Embodiment beschäftigt und erfahren, welche Chancen der Ansatz für die Emotionsregulation und für tiefgreifende Veränderungsprozesse bietet.




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